Lebensmittelsicherheit wird immer aktuell bleiben
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Lebensmittelsicherheit wird immer aktuell bleiben
Interview mit Herrn Michael Benner, Veterinärmediziner und Leiter der KIN Qualitätssicherung mit den Schwerpunkten Mikrobiologie und Hygiene, Qualitätsmanagement, Hygienemanagement und Lebensmittelrecht.
Michael Benner ist Veterinärmediziner und war vor seiner heutigen Tätigkeit als Leiter der KIN Qualitätssicherung als Hochschulassistent in der studentischen Ausbildung im Bereich Lebensmittelmikrobiologie und Lebensmittelhygiene tätig. Seit 24 Jahren ist er Mitarbeiter des KIN im Bereich Qualitätssicherung mit den Schwerpunkten Mikrobiologie und Hygiene, Qualitätsmanagement, Hygienemanagement und Lebensmittelrecht. Als staatlich zugelassener Lebensmittelsachverständiger und Fachauditor für Qualitätsmanagementsysteme besitzt er langjährige Erfahrungen im Bereich der fachlichen Weiterbildungen.
Welche Aufgaben übernimmt Ihr Institut für die Qualitätssicherung im Nahrungsmittelbereich?
Das Lebensmittelinstitut KIN überprüft im Auftrag der Lebensmittelproduzenten die gesamte Herstellungskette von der Rohware bis zum Endprodukt, inklusive der Verpackung. Dazu sind vielfältige Analysen auf den Gebieten der Mikrobiologie, der Chemie, der sensorischen Prüfungen und besonders dem Hygienemanagement und den lebensmittelrechtlichen Beratungen notwendig.
Wie sieht die vertikale Überprüfung „stable to table“ heute aus?
Alle Beteiligten an der Lebensmittelkette, von der so genannten Urproduktion (Landbau, Tierhaltung) über Be- und Verarbeitung, Distribution bis hin zum Handel werden rechtlich als „Lebensmittelhersteller“ eingestuft. Somit unterliegen sie alle der Verpflichtung zur Lebensmittelsicherheit und damit auch der Prüf- und Überwachungsverpflichtung im Rahmen der Eigenkontrolle.
Wie sieht die Zusammenarbeit mit Industrie und Behörden aus?
Die Organe der Lebensmittelüberwachung sind in Deutschland nach wie vor länderspezifisch aufgestellt. Aber es wird allgemein ein „offener Dialog“ mit den Lebensmittelherstellern angestrebt. Die Kontrollmaßnahmen sollen risikoorientiert durchgeführt werden, d.h. nach Art des Produktes, der Herstellungsmenge, der Verteilung und der Zielgruppe entsprechend.
Welche Auswirkungen haben nationales und EU-Recht auf die Qualitätssicherung?
Seit Mitte der 80er Jahre hat die EU die Oberhoheit über die Lebensmittelgesetzgebung übernommen. Durch die seit dieser Zeit erlassenen Verordnungen, welche automatisch in den Mitgliedsstaaten in Länderrecht umzusetzen sind, werden übergreifend die Vorgaben zur Lebensmittelsicherheit, zum Hygienepaket und zur Etikettierung geregelt.
Wie funktionieren die Sicherungssysteme?
Die Sicherungssysteme müssen alle auf dem nach Codex Alimentarius weltweit gültigen Standard des HACCP Konzeptes entsprechen. Dazu müssen produkt- und produktionsspezifische Risikoanalysen durchgeführt werden. Dies zielen auf eine Erkennung so genannter „für die Lebensmittelsicherheit kritischer Punkte“ im Prozess und damit der Implementierung entsprechender Kontroll- und Sicherungsmaßnahmen ab.
Was bedeutet Risikobewertung und wie werden Risiken gemanagt?
Risikobewertung bedeutet zu prüfen, ob in den einzelnen Stufen der Herstellung Gefahren für die Gesundheit des Verbrauchers auftreten können und ob diese Gesundheitsgefahr auch letztendlich beim Verbraucher ankommen könnte. Durch ein entsprechendes Risikomanagement müssen die ermittelten möglichen Gefahren in der Produktion vermieden werden (z. B. Fremdkörpererkennung) oder durch Behandlungsverfahren eliminiert werden.
Aktuelles Thema „Ampelkennzeichnung“: Was halten Sie davon?
Die Ampelkennzeichnung ist kein Instrument zur Bewertung der Sicherheit eines Lebensmittels. Sie soll den Verbraucher grob über ernährungsphysiologische Eigenschaften eines Produktes informieren. In dieser vereinfachten Form der Kategorisierung wird meiner Meinung nach der Komplexität der Lebensmittel und vor allem der Ernährungsgewohnheiten nicht Rechnung getragen.
Auf welche Bereiche werden Sie in Zukunft besonders Ihr Augenmerk legen?
Das Thema Lebensmittelsicherheit wird das durchgehende Thema für die Zukunft bleiben. Das Hauptaugenmerk ist auf die ständige Verbesserung der Hygienemaßnahmen zu legen, aber auch die Fortschritte in den Analysemöglichkeiten und vor allem die Zeitnähe der Ergebnisermittlung werden eine große Rolle spielen. Die Entwicklungen in der Herstellungstechnologie (z.B. Hygienic Design) sind zu beachten.
Das Interview führte Ralph Bloemer, InterMeat.de
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