Netzwerk für Convenience-Verpackungen ausbauen
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Netzwerk für Convenience-Verpackungen ausbauen
Interview mit Lothar Zapf, Geschäftsführer Zentrum für Lebensmittel- und Verpackungstechnologie e.V., Kempten
Das ZLV ist eine gemeinsame Initiative von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Lehre. Der Verein mit Sitz in Kempten versteht sich als Kompetenzzentrum der gesamten Wertschöpfungskette für Lebensmittel – Verpackung, Verpackungsmaschine, Distribution und Handel bis hin zur Kreislaufwirtschaft. Gegründet im Juli 2009 als Initiative im Allgäu, hat das ZLV inzwischen auch Mitglieder über die Region hinaus.
Sie sind Aussteller auf der Interpack, welche wie die Intermopro in Düsseldorf stattfindet. Was versprechen Sie sich davon?
Die Idee des ZLV, alle Partner der Wertschöpfungskette für industriell hergestellte und verpackte Lebensmittel optimal zu vernetzen und Mehrwert für alle Beteiligten zu schaffen, soll in Düsseldorf den internationalen Fachbesuchern nahegebracht werden.
Die aktuellen Mitglieder des ZLV decken bereits alle Kompetenzen dieser Kette ab – von Rohstoffen für Lebensmittel und Verpackungen bis hin zum Einzelhandel, sowie vielen relevanten Dienstleistungen. Diese zukunftsweisende Form der Kooperation wollen wir nun auf eine breite Basis stellen und unser Netzwerk erweitern.
Mit Convenience können auch kleine Anbieter Erfolg haben, meint Lothar Zapf. Als Beispiel nennt er den Smoothie-Hersteller „Ehrlich Trinken“ aus Mindelheim im Unterallgäu.
Fehlt es bislang an fächerübergreifendem Austausch zwischen Maschinenbauern, Lebensmittelindustrie, Marketing, Druck und Logistik? Wird der Nachwuchs zu einseitig ausgebildet?
Betrachten wir die Wertschöpfungskette für verpackte Lebensmittel, so ist die vertikale Vernetzung an den meisten Stellen gut organisiert. Innerhalb der jeweiligen Fachgebiete und deren unmittelbaren Kunden und Partnern funktioniert die Kommunikation.
Eine Vernetzung in horizontaler Richtung über die gesamte Wertschöpfungskette fehlt bisher. Genau hier setzt das ZLV an – auch mit interdisziplinärer Aus- und Weiterbildung.
Seit wann gibt es Convenience-Verpackungen?
„Convenience“ steht ja eigentlich für „bequem“, „zweckmäßig“, „einfach“ oder „verbraucherfreundlich“ und trifft somit seit vielen Jahrzehnten auf eine große Produktpalette zu. Mit „convenience food“ bezeichnet man dagegen „Fertiggerichte“ in verschiedensten Varianten. Einige herausragende Convenience-Verpackungen der letzten Jahrzehnte sind sicherlich die Tetraederpackung für Getränke, Schütt- beziehungsweise Gießöffnungen, Mehrkammerpackungen, bag-in-box Systeme, boil-in-bag Systeme. Bequem und praktisch sind auch Schalen, die direkt zum Erhitzen geeignet sind, das Peelfolien-System oder die jüngsten Entwicklungen für easy opening und Wiederverschluss.
Welche Trends sehen Sie aktuell bei Convenience-Verpackungen?
Hier möchte ich nur einige Punkte beispielhaft nennen: Einfachere Handhabbarkeit und Öffnungsmechanismen sowie bessere Selbsterklärung dieser Systeme. Bei Fertiggerichten übernimmt die Verkaufsverpackung auch die Funktionen von Zubereitungsgefäß und Essgeschirr. Wichtige Trends sind auch altersgruppengerechte Systeme und Packungsgrößen sowie easy-opening plus Wiederverschließbarkeit plus Originalitätsschutz.
Senioren beklagen, dass viele Verpackungen zu schwer aufgehen. Was muss sich aus Ihrer Sicht ändern?
Bei älteren Menschen verändern sich Kraft und motorische Fähigkeiten. Dies wird bei der Verpackungsgestaltung noch zu wenig berücksichtigt. Wir können einerseits über komplett neue Verpackungsformen nachdenken oder unmittelbar, mit relativ geringem Aufwand, kleine Verbesserungen umsetzen. So können wir zum Beispiel für sofortige Erkennbarkeit der Öffnungssysteme, beziehungsweise klare „Anleitungen“ sorgen. Wir können Schriftgrößen der relevanten Informationen verändern, die Griffigkeit verbessern. Wir können außerdem „höfliche“ Verpackungen für diese Altersgruppe entwickeln, indem wir uns intensiver mit den konkreten Bedürfnissen dieser wachsenden Verbrauchergruppe beschäftigen.
Welche Chancen sehen Sie für diese Änderungen – denn mehr zahlen will der Handel für die Packungen sicher nicht?
Bereits heute gibt es für durchaus vergleichbare Produkte eine große Preisvarianz.
Ein mehr an Convenience braucht smartes Marketing und klare Positionierung des höheren Nutzens – denn der Handel ist immer interessiert, attraktive und erfolgreiche Produkte in den Regalen zu haben. Die Entscheidung, ob ein Produkt „attraktiv“ ist oder nicht, fällt erst beim Griff ins Regal. Genau dort befindet sich quasi das rechte Ende der Wertschöpfungskette an dem sich alle Partner dieser Kette orientieren sollten.
Allzu leicht vergessen wir, welche Macht wir alle mit unserer Kaufentscheidung haben.
Es gibt immer mehr Single-Haushalte und Senioren. Haben XXL-Verpackungen bald ausgedient?
Sicherlich nicht! Es gibt sowohl den Trend zu Convenience- und Portionspackungen, als auch den Trend zu Spar- oder Vorratspackungen. Das Segment der stark preisorientierten Käufer von XXL-Verpackungen wird weiter wachsen. Gerade diese Großpackungen erfordern clevere Systeme bezüglich Öffnungshilfen, Entleerbarkeit, Wiederverschluss, weil der Schutz vor Verderb und lange Haltbarkeit hier noch wichtiger sind.
Verpackungen werden irgendwann Müll. Ist Convenience und Umweltschutz ein Gegensatz?
Die Verpackung übernimmt während der Nutzungsphase wichtige Aufgaben, macht sie doch eine industrielle Produktion, kostengünstige Distribution, Lagerung und angemessene Haltbarkeit überhaupt erst möglich. Im Regal kann der Konsument das Produkt nur durch seine Verpackung erkennen und sich über Inhalt, Haltbarkeit und Handhabung informieren. Für den weiteren Weg – nach der Erfüllung seiner zahlreichen Aufgaben – gibt es bereits viele Initiativen und Erfolge, zum Beispiel beim sinnvollen Verwerten der Fraktionen Metall, Kunststoff, Papier/Karton. Die Verwertung dieser drei Hauptstoffgruppen erfolgt entweder stofflich bei sortenreinen, sauberen Materialien oder energetisch, also zur Energieerzeugung, wenn es sich um Mischfraktionen handelt. Erfolgt die energetische Verwertung von gemischten Kunststoffen in Heizkraftwerken zur Erzeugung von Strom oder Fernwärme, so sparen wir je Kilogramm gebrauchter Kunststoffverpackungen etwa einen Liter Heizöl. Das heißt: Solange wir Heizöl für die Energieerzeugung heranziehen, wird der Kreislauf sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll geschlossen.
Der Platz im Regal des Handels ist heiß umkämpft. Ist da Platz für immer neue Gebinde und Schachteln?
Das Bessere ist der Feind des Guten! In der Regel wird durch Innovation das bisher Gewohnte abgelöst und benötigt daher nicht zwingend mehr Regalvolumen. Die Kombination von easy opening und Wiederverschluss spielt sich nur in der Siegelschicht zwischen Boden- und Deckelfolie ab und ein altersgruppengerechtes Fertiggericht kann ja auch eine kleinere Packungsgröße haben.
Das Thema Convenience betrifft auch das Handling bis zum Verkauf. Wie kommt das Shelfready Packaging voran?
Auch hier wollen wir mit dem ZLV einen wichtigen Beitrag leisten. Je früher und enger Markenartikelhersteller, Verpackungsmittel- und Verpackungsmaschinenhersteller, Hersteller von Sekundär- und Displayverpackungen, Logistiker und der Handel zusammenarbeiten, desto schneller und erfolgversprechender werden neue Konzepte umgesetzt werden können.
Maschinen-Hersteller, Markenartikler, Handelskonzerne: Bestimmen nur die Großen den Lauf der Dinge? Nennen Sie mal ein paar Innovationen kleiner und mittlerer Unternehmen, denen Sie einen großen Durchbruch zutrauen.
Wir haben unseren Sitz in Kempten im Allgäu. Da fällt mir natürlich sofort die regionale Handelskette Feneberg ein, die sich im Allgäu neben all den Großen mit dem Konzept „Von Hier“ erfolgreich durchsetzt. Im Segment der Smoothies hat das kleine Familienunternehmen „Ehrlich Trinken“ mit einem cleveren Frische-, Natur und Distributionskonzept Erfolg – trotz großer Wettbewerber. Multivac, ein Familienunternehmen im Segment der Verpackungstiefziehanlagen, setzt sich mit Innovationsfreudigkeit weltweit gegen internationale Maschinenbaukonzerne durch. Die Aufzählung könnte ich fortsetzen, denn alleine unter unseren ZLV-Mitgliedern gibt es viele Unternehmen die in ihren jeweiligen Spezialgebieten führend und mit innovativen Produkten dauerhaft erfolgreich sind.
Interview: René Schellbach, InterMopro.de
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