Das Gourmet-Taxi - Essen einmal anders
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Das Gourmet-Taxi - Essen einmal anders
Volker Risse
Interview mit Volker Risse, Ideenfinder des Gourmet-Taxi aus Sinzig/Ahr
Es ist Mittag und man hat Hunger auf etwas Besonderes, etwas Neues; statt Pizza sollen es diesmal Antipasti sein. Wenn man in der Nähe von Sinzig wohnt, dann hat man Glück und kann über das Gourmet-Taxi Entenkeule oder gebackenen Ziegenkäse bestellen. Volker Risse und Gerd Höschen machen es mit ihrem Gourmet-Lieferservice möglich. Fünf Restaurants der gehobenen Klasse haben sich für dieses Projekt zusammengetan. Eine Kampfansage an den Pizza-Dienst. Wie es dazu kam und warum gerade im sonnigen Rheinland, erzählt uns Volker Risse in unserem Interview.
Wie kamen Sie auf die Idee, diese Art von Lieferservice zu gründen?
Aus egoistischen Motiven! Gemeint ist nicht der wirtschaftliche Erfolg des Projekts, sondern die Selbstversorgung mit gutem Essen. Mein Partner Ottic (alias Gerd Höschen) und ich machen seit vielen Jahren einmal pro Woche die Nacht durch und arbeiten intensiv und kreativ auf der Suche nach neuen Geschäftsideen. Irgendwann wird man dann hungrig und möchte sich etwas zum Essen kommen lassen. Und was wir da von den billigen Pizza-Taxis geliefert bekommen haben, war nicht lecker, manchmal gar gesundheitsgefährdend. Da sitzen wir nun seit dem Jahr 2001 zusammen, haben eine Liste mit ca. 200 teils anspruchsvollen, teils grotesken Geschäftsideen zusammengestellt, aber verwirklichen ausgerechnet eine, die so banal einfach ist und ganz nebenbei entstanden ist.
Warum in dieser eher ländlichen Region und nicht in einer der größeren Städte, wie Köln oder Düsseldorf?
Aus ganz praktischen Motiven! Hier sind wir zu Hause, hier kennen wir die guten Restaurants und auch die Inhaber. Außerdem schließt das eine das andere nicht aus. Von Anfang an war geplant, das Projekt auch auf andere Regionen, auch in größere Städte auszuweiten. Hierfür suchen wir übrigens noch einen Investor
War es schwer interessierte Restaurantbetreiber für diese Art der Kooperation zu gewinnen?
Überhaupt nicht. Und der Grund hierfür ist weniger, dass uns die Gastronomen persönlich bekannt waren. Der Grund ist, dass für die Restaurants so gut wie kein Risiko besteht. Unsere Provision wird pro Bestellung generiert. Gibt es keine Bestellungen, entstehen den Restaurants auch keine Kosten. Ausgenommen hiervon sind Werbekosten für den Druck und die Verteilung der Speisekarten, die sich aber pro Restaurant auf unter 500 Euro belaufen. Der Werbeeffekt ist ungleich größer als jede andere Anzeige, die die Restaurants sonst auch schalten. Denn die redaktionelle Werbung, die TV-Berichterstattung zu unserem Projekt Gourmet-Taxi im SWR und die an 60.000 Haushalte verteilten Speisekarten locken auch viele Gäste direkt in die Restaurants, alternativ zur Bestellung des Essens nach Hause.
Wie sieht ihr Kundenstamm aus? Und welche Kunden fühlen sich von der Speisekarte dieser Restaurants angesprochen?
Unsere Kunden sind in folgender Rangfolge: 1. Gutbürgerliche Familien, die an einem Freitagabend nach getaner Arbeit keine Lust mehr haben, zu kochen oder aus zu gehen. 2. Wohlhabende Rentner, teilweise alleinstehend, die nicht selber kochen können oder wollen und die nicht jeden Tag der Woche "Essen auf Rädern" wünschen, sondern etwas kulinarisch Erleseneres aus einer umfangreichen Speisekarte auswählen möchten. 3. Firmenkunden für den wöchentlichen Brunch inklusive Brainstorming mit den Mitarbeitern. Das sind fast ausschließlich Kunden, die mittags bestellen. 4. Partyservice. Viele Kunden buchen unsere Restaurants für Familienfeste, Hochzeiten, Geburtstage, usw.
Was ist der „Renner“ unter ihren Bestellungen: das Candle-Light Diner oder eher die Tapas vom Spanier?
Das sind beides Bestseller, die Sie da nennen! Aber ehrlich: Die gutbürgerliche Deutsche Küche, der Grillteller aus Sinzig-Koisdorf ist genauso ein Renner wie die Runde Tapas vom Spanier.
Haben Sie Kontakt oder Informationen zu ähnlichen Services in anderen Städten oder Regionen Deutschlands?
Nein, das haben wir nicht, weil wir die einzigen sind. Nach unserem Kenntnisstand gibt es in ganz Deutschland keinen vergleichbaren Service, der nach diesem Konzept arbeitet und „normale", etablierte Restaurants zusammenführt um gemeinsam einen Lieferservice der Spitzenklasse zu betreiben. Ein französisches, ein italienisches, ein spanisches und zwei deutsche Restaurants betreiben gemeinsam den Lieferservice und Taxis fahren das Essen zum Kunden. Und für die Zukunft haben wir noch einige Ideen, z.B. „Gourmet-Taxi-Andersrum“, wo alternativ nicht das Essen zu den Gästen, sondern die Gäste ins Restaurant gefahren werden und wieder zurück nach Hause – kostenlos versteht sich.
Hat diese Art von Service in Zeiten magerer Geldbeutel eine Überlebenschance?
Die Geldbeutel sind doch gar nicht mager. Vielleicht würde unsere Geschäftsidee heutzutage nicht in Griechenland oder Portugal aufgehen. Aber hierzulande gibt es genügend Menschen, die „Leben wie Gott in Deutschland" und sich das auch leisten können und gönnen wollen.
Ingrid Spicker, InterMopro.de
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