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Molke statt Kunststoff

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Molke statt Kunststoff

© Fraunhofer IVV

Interview mit Florian Wild, Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung

Das von der EU geförderte Projekt Wheylayer umfasst Unternehmen und Verbände der Verpackungs-, Recycling- und Milchindustrie sowie Forschungseinrichtungen. Das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising ist einer der 14 Projektpartner und arbeitete 2008 bis 2011 an der Entwicklung eines nachhaltigen und neuartigen Verpackungsmaterials. Verfahrenstechniker Florian Wild erklärt die Einzigartigkeit dieses Materials und den Stand der Entwicklung.



Um welches Projekt handelt es sich hierbei und für welche Produkte ist diese Verpackung geeignet?

Das Wheylayer-Projekt hat zum Ziel, auf Basis von Molkenprotein Barriereschichten für Mehrschichtfolien zu entwickeln. Mehrschichtfolien sind das Ausgangsmaterial für Verpackungen verschiedenster Lebensmittel und Kosmetika. Durch die Kombination unterschiedlicher Materialien erreichen solche Verpackungen besonders gute Barriereeigenschaften und können sensible Produkte beispielsweise vor dem Zutritt von Luftsauerstoff oder Wasserdampf schützen. Dies ermöglicht dann eine lange und sichere Lagerfähigkeit der Produkte.

 
 
© Fraunhofer IVV

Welchen Vorteil bietet dieses Verfahren und was macht es so innovativ?

Mit dem „Wheylayer“ gelang es, eine Barriereschicht auf Basis eines biologischen Rohstoffs zu entwickeln, die aufgrund ihrer hervorragenden Eigenschaften eine Alternative zu herkömmlichen Materialien fossilen Ursprungs wie EVOH darstellt. Damit können in Kombination mit weiteren biobasierten Kunststoffen Mehrschichtfolien mit hoher Barrierewirkung zu 100 % aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden.

Zusätzlich kann die Protein-basierte Barriereschicht im Gegensatz zu EVOH mit Waschenzymen im Recyclingprozess abgebaut werden. Die einzelnen Kunststofffilme des Mehrschichtaufbaus können dann sortenrein gewonnen werden und wieder der stofflichen Nutzung zugeführt werden.

Mit einigen Kniffen gelang es den Herstellungsprozess effizient zu machen, so dass hinsichtlich der Kosten ein wettbewerbsfähiges Produkt entstanden ist.

Durch Zugabe von Weichmachern und anderen Stoffen haben Sie eine Beschichtung entwickelt, die belastbar ist. Sind Weichmacher nicht kontraproduktiv, wenn es sich um „biologische“ Verpackung handelt?

Als Weichmacher fungieren in diesem Fall niedermolekulare Zuckeralkohole wie Glycerol oder Sorbitol. Stoffe, die selbst als Lebensmittelzusatzstoff eingesetzt werden können und daher gesundheitlich völlig unbedenklich sind. Gerade für Glycerol, einem Nebenprodukt der Biodieselproduktion, bietet der Wheylayer eine optimal stoffliche Nutzung.

 
 
© Fraunhofer IVV

Wheylayer fällt unter „Active Packaging“. Was bedeutet das für das zu verpackende Produkt?

Unter Active Packaging versteht man Verpackungen, die durch chemische oder biologische Wechselwirkungen mit dem verpackten Produkt zu einer verlängerten Haltbarkeit oder einer gezielten Produktveränderung führen. In der Tat wurden im Rahmen des Projekts verschiedene antioxidativ und antimikrobiell wirkenden Substanzen getestet, um dem Wheylayer eine zusätzliche aktive Funktion zu geben. Im Vergleich zur Barrierewirkung ist diese Zielstellung momentan nachrangig. Alleine aufgrund der Barriere konnten Testverpackungen mit Käse, Brühwurst oder frische Pasta bereits voll überzeugen.

Wheylayer wurde erfolgreich getestet und in Ljubljana im Oktober 2011 vor den Vertretern von Industrie und Handel vorgeführt. Wann werden die ersten Verpackungen aus Molke auf dem Markt erscheinen?

Die Testanlage in Ljubljana verfügt bereits über eine Bandgeschwindigkeit von 20 m/s. Für die industrielle Produktion muss diese nun von den beteiligten Industrieunternehmen noch um etwa den Faktor 5 erhöht werden, um den Prozess wirtschaftlich zu machen und um die Anlage in die Herstellungsverfahren der Gesamtverpackung integrieren zu können. Gleichzeitig stellen sich Fragen der firmeninternen Logistik, der Endproduktentwicklung und des Marketings. Die Vorbereitung der ersten marktreifen Endverpackungen innerhalb von 24 Monaten erscheint dabei realistisch.


Ingrid Spicker, InterMopro.de